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„Arm, aber dennoch glücklich"

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„Wenn einer eine Reise tut, dann kann er viel erzählen." Mitglieder der Kolpingsfamilie Buldern und St. Michael in Papenburg reisten im April 2009 nach Uganda. Seit Jahren unterstützten sie verschiedene Projekte und wollten nun sehen, was aus ihrer Hilfe geworden ist. Stephan Leeners war dabei und berichtet über seine Erlebnisse.

Herr Leeners, Sie waren zum ersten Mal in Uganda. Wie leben die Menschen dort?

Alles ist ländlich, es gibt praktisch keine Industrie. Die Straßen sind schlecht, für 45 km braucht man zwei Stunden. Außerhalb der Städte gibt es kaum Autos. Fahrräder sind üblich, oft aber beladen wie Lkws. Die Menschen ernähren sich vor allem von Kochbananen, Kassava, eine Kartoffel-ähnliche Knolle, die auch zu Mehl verarbeitet wird, Kürbis, Reis, Hirse, Süßkartoffeln. Fleisch, meist Huhn, ist Luxus. Abends zünden die Leute manchmal Feuer an, um Heuschrecken anzulocken und zu fangen. Es sei eine eiweißreiche und wertvolle Nahrung, sagte man uns.

Viele leben von der Landwirtschaft oder produzieren, was man zum täglichen Leben braucht. Es wird viel unter freiem Himmel gearbeitet. Und die Produkte, ob Stühle, Hocker oder Eisengitter werden dann einfach an den Straßenrand gestellt zum Verkaufen. In den Städten reihen sich kleine Läden aneinander. Alles ist unglaublich einfach. Die Leute bekommen in der Regel von niemandem Unterstützung. Deshalb sind sie auch sehr kreativ, improvisieren viel, sind oft wahre Lebenskünstler.

Welche Projekte haben Sie besucht?

Wir haben mit den Papenburgern die Bernadetta Primary School besucht. An dieser Schule werden 1.150 Schüler von 27 Lehrern unterrichtet, und sie gehört zu den besten Schulen Ugandas. Diese Schule nimmt als einzige in Uganda auch blinde und taubstumme Kinder auf und darüber hinaus einige Kinder, deren Eltern das Schulgeld nicht bezahlen können. Ungefähr ein Drittel der Kinder wohnen im Internat und werden hier betreut und versorgt. Wir wurden von ca. 700 Schülern jubelnd empfangen, obwohl offi ziell an diesen Tag schulfrei war. Anders die Primary School in Kabango: hier sitzen 1.800 Kinder in 11 Klassenräumen auf Holzbänken, Tische gibt es nicht. Unterrichtsmaterial hängt an alten Fahrradfelgen von der Decke. Durch eine spontane Spendenzusage können jetzt hier zwei Räume renoviert werden.

Dann besuchten wir auch eine kleine Baumschule, in der aus Samen Setzlinge für Pinienbäume gezogen werden. 25.000 kleine Pflanzen sahen wir dort. Aufforstung ist wichtig in Uganda, weil viel Wald abgeholzt wurde und die Klimaveränderungen der Bevölkerung zu schaffen machen. Dann besuchten wir auch zwei Familien, die eine Milchkuh erhalten hatten. Auch das Kleinkreditprogramm, ein sehr erfolgreiches Projekt, konnten wir sehen. Zwei Familien trafen wir. Die eine betreibt ein kleines Gehöft. Sie hatte einen Kredit für den Bau einer Latrine, für einen Wassertank und eine simple Solaranlage erhalten. Die andere Familie investierte den Kredit in eine Reis- und Maismühle. Fast alle Projektgelder werden als Kredite an die Menschen gegeben und müssen in kleinen Raten, auch wenn es länger dauert, zurückgezahlt werden. Das ist echte Hilfe zur Selbsthilfe.

Aids ist ein großes Problem in Afrika. Haben Sie auch das Aidswaisen-Projekt besucht?

Ja, wir trafen Daisy, eine bewundernswerte Frau, 48 Jahre alt, hat selber Aids und ihren Mann vor zehn Jahren an Aids verloren. Sie zieht die gemeinsamen acht Kinder und zwei weitere Kinder aus einer anderen Verbindung ihres Mannes groß. Zwei ältere Damen helfen ihr. Ein kleiner Souvenierladen sichert die Existenz der Familie. Daisy erhielt einen Kleinkredit von 120 Euro und eine Unterstützung von 160 Euro für zwei ihrer Waisenkinder. Wir mussten unbedingt Ihre Gastfreundschaft annehmen, was sie mindestens einen Monatslohn kostete. Sie verwöhnte uns mit Getränken, Plätzchen und anderen Süßigkeiten. Immer wieder erlebten wir, wie glücklich Menschen doch sein können, obwohl sie eigentlich so gut wie nichts besitzen.

Created by ghi
Last modified 2009-10-25 20:40
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